AUSTRALIEN UMRUNDUNG TEIL 7

1.8.2014 Bike, Bier und Bett

© 2019 Tilmann WaldthalerDie Distanzen zwischen den kleinen Ortschaften sind aus der Perspektive eines Radnomaden gesehen sehr gross und ich habe gar keine andere Wahl als das Nomadenleben im Outback zu akzeptieren. Der Mensch, das Gewohnheitstier hat ja die Fähigkeiten das Beste aus den vorgegebenen Situationen zu machen.
Ich lebe einfach und schleppe nur das Wichtigste für die Tour mit. Die Übernachtungen im Zelt beim Lagerfeuer sind irgendwie logisch und gar nicht zu vermeiden. Diese Stille und die Weite des Outbacks sind für viele Menschen nicht die idealen Plätze um sich wohl zu fühlen. Das Unbekannte und Ungewisse der Nacht kribbelt und krabbelt im Unterbewusstsein. Was würde passieren wenn, oder was würde ich tun falls? Den ersten 30cm Satz nach oben unternimmt man wenn in der Dunkelheit plötzlich die Dingos heulen oder eines der zahlreichen Rinder die im Outback von anscheinend nichts leben aus Neugierde ganz nahe am Lagerfeuer vorbeikommt.
Ich sehe das Outback als das grösste und einsamste Wohnzimmer der Welt. Da wo nichts ist, kann man viel hinstellen. Dies ist wahrscheinlich auch ein Grund warum Radfahrer die Wüsten und das Outback durchquerten für ihre Habseligkeiten beim Zelten viel Platz in Anspruch nehmen.
© 2019 Tilmann WaldthalerGestern habe ich ganz unerwartet und ungewöhnlich doch nicht unbequem mein Zelt, Matte und Schlafsack mit einem Motelzimmer getauscht. Geschlafen habe ich nicht besonders gut. Ein ständiges Kommen und Gehen von Autos und Gästen im Pub nebenan waren die nervigen Geräusche die ich in der Leere des Outbacks nicht habe. Lautes Geschrei, Autotüren auf und zu, Flaschen und leere Bierdosen die in den Mülltonnen landeten. All dies macht natürlich viel Krach. Erst spät in der Nacht wurde es plötzlich ruhig. Während der Nacht raste ein Rettungswagen zu jemanden in Not.    
Viele Motelgäste fahren bereits zwischen 5 und 7 Uhr morgens weg um während den kühlen Morgenstunden unterwegs zu sein. Wecker braucht man in einem Motel keinen. Die sogenannten australischen Schwerarbeiter zündeln bereits ab 5 Uhr mit der ersten Zigarette und brauen einen Becher Kaffee. Die Klospühlung rauscht und der Fernseher vom Zimmer nebenan verkündet die Nachrichten und das Wetter. Ich höre den ersten Scherz als jemand ganz laut fragt: “Who is our Prime Minister this morning? Perfekte Frage denke ich mir. Nach den vielen Regierungswechseln in letzter Zeit nehmen die Australier die Politiker gar nicht mehr ernst.
Die Übernachtung im Motel war ja nicht geplant, sondern eher eine spontane Entscheidung. Am nächsten Tag ging ich einkaufen.  Als Radfahrer ist man ja doch limitiert was man mitnehmen kann und was nicht. Es hat nicht lange gedauertBie, bis ich nach meinem Einkauf wieder draußen im Outback war. Die Wetterbedingungen, hervorragend, Rückenwind und 25 Grad. Es scheint ein idealer Tag zu sein um einige Kilometer zu fahren.

Fortsetzung folgt