2020 Was für ein Jahr?

Das Jahr 2020 hat für Renate und auch für mich ganz normal begonnen. Am ersten Tag des Jahres waren wir bereits um 6 Uhr morgens mit unseren Rädern unterwegs. Keine ungewöhnliche Aktion wenn man im Jahr zwischen 17.000 und 18.000 Kilometer mit dem Fahrrad fährt.

Wir hatten 2019 begonnen, eine Fahrradtour von Cairns unserem Wohnort an der Nordküste von Queensland bis nach Perth zu fahren. Die 7.000 km lange Strecke haben wir so eingeteilt, dass wir im März/April 2020 den letzten Abschnitt von Adelaide nach Perth unter die Räder nehmen. Wie so oft im Leben, kommt es manchmal ganz anders als geplant. Diesmal war es ein unsichtbarer Feind, das Corona Virus welches uns einen Strich durch unseren Plan machte. Gleich nach den Nullarbor Plains, in der Ortschaft Norseman in West Australien war Schluss mit der Fahrradtour. Laut Aussage der Polizei in Norseman, hatten wir nur 48 Stunden um nach Hause zu kommen. Die Staatsgrenze in Westaustralien wurde dicht gemacht und mit Hilfe der Polizei und einer ganz tollen Frau an der Hotelrezeption in Perth konnten wir bereits am nächsten Tag einen Flug nach Cairns antreten. Es ging alles so schnell, dass wir zuerst die Panik und Hektik im Land gar nicht verstanden. Corona und Convet19 waren plötzlich unsere Feinde.

© 2021 Tilmann Waldthaler © 2021 Tilmann Waldthaler © 2021 Tilmann Waldthaler

Händewaschen, Masken, Panikeinkäufe, Lockdowns und geschlossene Geschäfte und viele, vorher nie gesehene Massnahmen wurden zur neuen Tagesordnung. Die ersten Berichte von Massensterben in Altersheimen in Melbourne und in Sydney machten Schlagzeilen. Nach unserer Ankunft in Cairns stand uns eine 14 tägige Quarantäne ins Haus. Nahrungsmittel wurden vom Supermarkt bis vor die Haustüre gebracht. Die Menschen von der Corona Hotline Zentrale meldeten sich per Telefon bei uns. Man wollte wissen wie es uns gesundheitlich geht. Als wir ihnen erzählten dass wir soeben von einer Fahrradtour durch die Nullarbor Wüste in Westaustralien zurückgekommen sind entfachten wir grosses Lob und Staunen. “Oh my God, you must be very fit people”. Nach 2 Wochen erhielten wir einen weiteren Anruf und es wurde uns mitgeteilt, dass wir, falls keine Sympthome aufgetreten sind, wieder frei nach den neuen Vorschriften bewegen dürfen.

In der Zwischenzeit ist fast ein Jahr vergangen. Unser Leben in Cairns/Queensland hat irgendwie den Weg aus der alten in eine neue Normalität gefunden. Die geplante Fahrradtour in Neuseeland haben wir gezwungener auf Eis gelegt und auf später verschoben, denn ewig werden die Grenzen nicht geschlossen bleiben. Queensland ist sehr gross und wir werden in diesem Jahr wenn möglich eine Fahrradtour in Queensland unternehmen. Die Aus/Einreise in Australien ist mit vielen Hürden verbunden und darauf haben wir absolut keinen Bock. Wir sind nach Australien ausgewandert weil das Land so schön und so gross ist.

Jetzt ist es an der Zeit, Land und Leute in einer neuen Normalität zu besuchen. Es wird ein bisschen Zeit brauchen bis wir Menschen zu dieser neuen Normalität finden und diese verstehen werden.

Im vergangenen Jahr wurde uns bewusst, dass es eine Ansammlung von Menschen gibt, die sich mit Vorliebe in Klugscheisserei, Querdenken, Zahlenkotzerei und Falschinformationen wälzen. So traurig es ist, auf diese Art und Weise werden wir das Virus nicht besiegen. Die Impfungen werden wie so viele andere Krankheiten auch Convet19 in Schach halten. Das Virus wird neue Formen annehmen und versuchen auf Schleichwegen an und in unsere Körper zu gelangen. Wir Menschen werden lernen müssen, liebgewonnene Dinge des Lebens mit neuen Gedanken und Taten zu ersetzen und vielleicht sogar umarmen. Die vielen verschiedenen Meinungen die im Internet kursieren tragen leider zur Konfusion bei und bringen keine wirkliche Lösung. Die neuen Pflichten und Ziele der Gesellschaft sind uns ja noch nicht bewusst. Im Wandel der Zeit sind wir alle im gleichen Boot und die meisten Menschen versuchen das Beste in einer verrückten Zeit daraus zu machen. Dies alles zu meinem 79igsten Geburtstag im März 2021.