Cairns to Perth Outback Way.
Was ist passiert?

Lange habe ich mich für diese 5000 km lange Fahrradtour von Cairns nach Perth vorbereitet. Die Ausrüstung, das Tourenrad und der Kopf haben sehr gut zusammengepasst. Egal wie oft ich meine Ausrüstung eingepackt, umgepackt und dann doch wieder ausgepackt habe um Luftlöcher in den Panniers zu füllen, war ich froh jetzt endlich unterwegs zu sein. Der Verkehr zwischen Cairns und Townsville und der kontinuierliche Gegenwind an der Küste waren bestimmt keine positiven Motivationsfaktoren zum Start der Reise. Ich wollte zu Beginn der Reise negative Aspekte ausschalten und so hat mich Renate mit dem Auto bis nach Charters Towers gebracht. Von Charters Towers bis nach Mount Isa schob mich der Rückenwind jeden Tag weit über 100 Km in Richtung Westen. Ich benötigte einige Kilometer und mehrere Tage bis ich nicht einen, aber meinen Rythmus gefunden hatte. Jede Fahrradtour hat andere Bedingungen und manchmal sogar besondere Überraschungen. Mit jedem Tag in Richtung Westen, wurde es kälter, es war ja auch Winter. Richtig warm war es nur während den wolkenlosen Mittagsstunden und in der Nacht in meinem Kleinzelt und meinem Vaude Daunenschlafsack. Alles andere war Winter ohne Schnee. Wir leben seit 15 Jahren im tropischen Bereich Australiens, dadurch fand ich diese kalten Nächte abartig. Ich hatte geplant, von Mount Isa in Richtung Urandangi zu fahren um auf dem Plenty Highway mein Bike nach Alice Springs zu steuern. Es war geplant, dass mich von Mount Isa bis nach Alice Springs und eventuell weiter auf dem Outback Way ein Kameramann begleiten wird. Die Idee des Kameramannes war fantastisch, die Umsetzung der Idee scheiterte allerdings an vielen Faktoren. Durch einen Todesfall in der Familie fiel die Geschichte verständlicherweise dann komplett ins Wasser und so kam es, dass ich doch wieder alleine mit dem Fahrrad auf der Strasse stand und in Richtung Alice Springs kurbelte. Die 508 km entlang des Barkly Highways von von Mount Isa nach Tennant Creek sind einsam. Auf dieser Strecke gibt es nur eine kleine Ortschaft, Cammoweal und 2 Roadhouses, Barkly Highway Roadhouse und Three Ways Roadhouse.

© 2018 Tilmann Waldthaler © 2018 Tilmann Waldthaler © 2018 Tilmann Waldthaler

Will man diese Strecke als Radfahrer in Angriff nehmen, heisst es Essen und Wasser mitschleppen. In diesen Regionen Australiens suche ich mir immer einen etwas versteckten Platz um mein Zelt aufzustellen um ungestört und weg vom Strassenlärm bei einem kleinen Lagerfeuer zu übernachten. Mit dem Lagerfeuer hoffe ich den vielen Wildtieren wie Katzen, Wildhunden, Dingos, Schlangen, Spinnen und anderen Nachtkriechern den Mut zu nehmen an mein Zelt heranzukommen. Es ist äusserst ärgerlich wenn ich aufwache und sehe dass sich irgendwelche Tiere während den nächtlichen Stunden ein Loch in meine Panniers gebissen haben und sich mit meinem Essen, die Wampe füllten. Mein Zelt ist zu klein um die Panniers während der Nacht darin unterzubringen. Ich habe ein ziemlich ausgeklügeltes System und lasse die Tasche mit dem Essen am Fahrrad hängen. Nach 5 Tagen und 660 km war ich in Tennant Creek am Stuart Highway angekommen. Die Strecke bis nach Alice Springs auf dem Stuart Highway bin ich schon so oft gefahren, dass sich in mir keine grosse Lust entwickelte die Strecke von 510 Km im starken Gegenwind zu fahren. Die Entscheidung wurde mir leicht gemacht. Die Fahrt mit dem Greyhound Bus nach Alice Springs war eine einfache und erschwingliche Variante. Der Gegenwind fegte mit 40km/h über diese dürre Region und bei meiner Ankunft in Alice Springs zeigte das Thermometer minus 2 Grad. Nach vielen Jahren im tropischen Bereich Australiens war die Kälte eine neue Herausforderung für mich.
Kälte hatte ich als Kind und später während meinen Reisen sehr oft erlebt. Der Kälte auszuweichen war auch ein Grund warum wir von Europa ins tropische Queensland in Australien übersiedelten. Dort beträgt die Durschnittstemperatur 28 Grad. Jetzt war ich wieder im Winter angekommen. Der einzige Trost, ich habe die Reise selbst geplant um mir die Wasserschlepperei während den Sommermonaten zu ersparen. Zwischen 10 Uhr morgens und 16 Uhr war die Temperatur sehr angenehm, alles danach war Winter ohne Schnee. Auf der Strecke von Alice Springs bis zum Ayers Rock/Uluru war sehr viel Verkehr. Es schien mir als schleppten die Menschen Anhänger, Bikes, Wohnmobile und Boote in allen Variationen durch die wüstenähnliche Landschaft. Die Rastplätze entlang des Highways waren überfüllt und einen Zeltplatz in einem Vanpark zu ergattern war ein kleines Kunsstück. Dies ist nun mal so wenn man während Schulferien in Australien unterwegs ist. Yulara nennt man das Dorf in der Nähe des Ayers Rock mit Hotels, Supermarkt, Infozentrum, Flughafen, Tankstelle und einem riesigen Zeltplatz. Für ein kleines Zelt verlangt man dort die unverschämte Summe von $ 48,00 p. Person/Nacht. Nach einer unangenehmen kalten Nacht lass ich mein Zelt auf dem Zeltplatz stehen und fahre mit dem Rad in Richtung Ayers Rock. Auf dem Weg nach Yulara bemerkte ich bereits am Tag zuvor ein Knirschen im Tretlager. Oh nein! Nicht hier wo ich noch 1.100 km Sand und Schotterstrasse bis Laverton in Westaustralien vor mir habe. Ich fahre zurück zu meinem Zelt und überlege den nächsten Schritt. Nach einer eher schlaflosen Nacht halte ich 2 Überlegungen für möglich. Weiterfahren und auf Teufel komm raus alles riskieren ist hier im Outback wohl die schlechteste Variante. Ich entscheide mich für die 460 km Fahrt mit dem Bus zurück nach Alice Springs um den Schaden zu reparieren. Bei meiner Ankunft in Alice Springs war ich verständlicherweise sauer und hatte keine Lust auf weitere Experimente. Während derartigen Situationen ist es immer gut Ruhe zu bewahren. Hektik wäre fehl am Platz gewesen. Die Tour von Cairns nach Perth war meine eigene Entscheidung und ich war unter keinerlei Zeitdruck. Ich hatte keine Verpflichtungen wie früher meinen Sponsoren gegenüber und ich war allein unterwegs und musste auf niemanden Rücksicht nehmen. In der Ruhe liegt die Kraft und meine Fahrradtour von Cairns nach Perth näherte sich immer schneller dem Punkt an dem ich mir sagte: “So weit und nicht weiter.” Die 3 Fahrten zwischen Alice Springs und Yulara wären insgesamt 1.395 km gewesen und auf derartigen Pendelverkehr mit dem Fahrrad hatte ich keine Lust. Das Bike wurde eingepackt und nach einer angenehmen Übernachtung in einem Hotelbett in Alice Springs war ich am nächsten Tag auf einem 10.000 m hohen Qantasflug in Richtung Cairns. Am 7. Oktober fliege ich mit Renate und unseren Freunden Anja und Dean zur Wildflowerblüte nach Westaustralien. Am 20. Oktober ist der Rückflug von Perth nach Cairns gebucht. Bis dahin werde ich es mir überlegen mein Tourenbike doch wieder einzupacken um es nach Perth  mitzunehmen und nach unserer Tour die Fahrt in umgekehrter Richtung von Perth nach Alice Springs auf dem OUTBACK WAY zu fahren. Aufgeben ist für mich dann doch irgendwie die letzte  Variante. Die Entscheidung fällt vor dem 7. Oktober. In der Zwischenzeit hat das bekannte Kribbeln im Kopf und Krabbeln in den Beinen begonnen. Lassen wir uns überraschen!

© 2018 Tilmann Waldthaler © 2018 Tilmann Waldthaler