Klimawandel und Zeitenwandel

Queensland ist bekannt als der Sunshine State in Australien. Riesige Gemüse und Obstplantagen sind im Osten des Staates zu sehen. Auf enormen Flächen wird Kohle für den Export abgebaut und entlang der Küste gibt es wunderbare Strände die irgendwo zwischen Himmel und Erde im blauen Wasser des warmen Ozeans eintauchen. Das überwiegend angenehme Wetter und eine lockere Lebensweise sind geradezu ideal für eine Fahrradtour oder eine Wanderung in einem der vielen Nationalparks. Hier lässt es sich gut leben und bis hierher ist alles schön und gut.
Alle Dinge des Lebens haben zwei Seiten und so natürlich auch das Leben in den Tropen. Die üblichen 4 Jahreszeiten werden in den Tropen auf zwei Jahreszeiten reduziert. Ungefähr von Dezember bis Juni gibt es im Norden Australiens die sogenannte Regenzeit mit viel Regen, etwas höheren Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit. Von Juni bis Dezember herrscht die Trockenzeit mit weniger Regen und etwas kühleren Temperaturen während den Nachtstunden +18/24°und angenehmen Tagestemperaturen 28/33°.
 
Bedingt durch den Klimawandel haben sich die Wetterbedingungen nicht nur in Australien sondern weltweit zeitlich etwas verschoben. Diese Tatsache kennt man ja auch in Europa, wenn im Dezember die Sträucher blühen und das T-shirt doch erst später im Winterschrank untergebracht wird. Hätte man einem Bergbauern vor 40 Jahren erzählt dass seine Wiese bald mit Gefrierplatten verschönert wird damit die Touristen Skifahren können, hätte der Bauer gelacht und den Erzähler als Spinner bezeichnet. 50 Jahre später ist der Beruf Knecht gar nicht mehr bekannt, die Magd kommt für einen Tapetenwechsel aus einem Büro in der Stadt um den Sommer auf der Alm mit den Kühen zu verbringen, diese zu melken um Käse zu produzieren. Der Bauer fährt mit dem Mercedes nicht zum Stall um seine Kühe zu füttern, doch zur Bank um das Finanzielle mit dem Bank Management zu besprechen und am Sonntag geht die Autofahrt um die Bank herum bis vor das Kirchentor. So haben sich die Zeiten geändert. Eigentlich will ich bei der Sache und in Australien bleiben, doch manchmal tragen mich meine Gedanken zurück zu meinen europäischen Wurzeln. Jetzt geht es aber weiter in Australien…
Während der Regenzeit gibt es seit den letzten Jahren immer öfter Überschwemmungen und zerstörerische Zyklons. Dürre und Hitze bringen in der Trockenzeit viel Leid und Tragödien für die Menschen und die Tierwelt. Buschbrände zerstören riesige Flächen. Farmen und Häuser werden zu kleinen Häufchen Blech und Asche reduziert. Hunderte Menschen und viele Tiere sind während diesen Bränden umgekommen. Blitzeinschläge und Zündler sind für derartige Katastrophen sehr oft verantwortlich. Im Gegensatz zu den riesigen Buschbränden sieht es ganz anders aus wenn sich über den blauen Wellen des pazifischen Ozeans durch die Erwärmung der Wassermassen ein Zyklon zusammenbraut. Zuerst formt sich ein Tief mit dunklen Wolken und viel Regen, dann entsteht in den Wolken ein Sturm, der ungehindert an Stärke zunimmt. Kritische Augen in den Wetterbüros beobachten was sich über dem Meer abspielt und ermitteln mit Hilfe von Satellitenbildern die vermutliche Richtung und Windstärke die ein Zyklon mit sich bringt. Sobald die ersten Warnungen verkündet werden strömt die Bevölkerung der Stadt in die Supermärkte um durch Panikeinkäufe die Regale leer zu räumen. Zuhause stellt man sich auf den großen Sturm ein. Es kann sehr unangenehm werden. Bei einem Orkan mit Windgeschwindigkeiten bis zu 300 km/h fliegt einem so mancher Gegenstand um die Ohren und es heißt… festhalten wenn man nicht mitfliegen will.
Jeder Zyklon ist wie ein Abenteuer vor der eigenen Haustür. Die Vorbereitungen vor dem Sturm für den Sturm sind wichtig wenn man seinen Besitz bewahren und selbst überleben will.
Zu Weihnachten 1974 wurde die Stadt Darwin von Zyklon Tracey zerfetzt. Die genaue Zahl der Toten und Verletzten ist bis heute noch nicht ermittelt. 90% der Häuser wurden zerstört. Man hat die Konsequenzen daraus gezogen und die Häuser sicherer gebaut und in den betroffenen Gebieten Australiens Schutzzentren erbaut. Ich habe nach dem Zyklon für die Rettungskräfte und Überlebenden gekocht. Ich habe 4 schwere Zyklons in Australien erlebt und überlebt.
 
Während der Regenzeit 2016/17 hatten wir keinen Zyklon im Nordosten Australiens. Die nächste Regensaison und der nächste Zyklon kommen aber irgendwann wieder bei uns vorbei und dann wird mächtig an der Natur gerüttelt und das Haus geschüttelt. Der ohrenbetäubende Lärm des Sturms, der peitschende Regen und die verschiedenen Gegenstände die durch die Luft fliegen sind beängstigend. Passieren diese wilden Stürme während den Nachtstunden verwandeln sich die eigenen Wände in ein Horrorhaus, ohne Elektrizität aber mit merkwürdigen Geräuschen. Das Morgengrauen kann nicht schnell genug am Himmel erscheinen um den Schaden zu sehen und die zerrissenen Bäume im Garten zu entfernen. Traurig, doch wenn man ohne Knochenbrüche und ohne Beulen überlebt hat, das Haus nicht zu stark beschädigt wurde, geht man zum Nachbarn um nachzusehen wie es den Menschen geht und man bietet seine Hilfe an.
Die erste Frage wird mit typischem australischem Humor beantwortet. „Alles okay der Kühlschrank wurde nicht beschädigt und das Bier ist kalt geblieben.
Viele Menschen in Australien haben einen unglaublichen Humor. Diese humorvolle Art der Menschen war auch ein Grund warum wir uns entschlossen haben in Australien zu leben. Renate und ich haben die Chance gesehen durch unsere berufliche Ausbildung einen neuen Lebensabschnitt in Australien zu beginnen. Kommt Feuer, Wasser oder Sturm in den Zeiten des Klimawandels hat man in keinem Erdteil eine garantierte Überlebenschance. Das Leben, die Weite und diese lockere Art sein Leben gestalten zu können war für uns Grund genug die Brücken die man überquerte stehen zu lassen und neue Lebenspassagen in einem anderen Land zu schaffen.
Für diese Passagen möchte ich mich auch bei meiner Frau Renate bedanken. Sie hat sehr oft Arbeiten und Veränderungen zuhause übernommen während meinen Radtouren in andere Länder der Erde.
 
Ende!