Fliegen mit Bikes und einem Bosch Powerpack

Renate und Tilmann Waldthaler sind am 1. November 2016 von Cairns nach Sydney geflogen. Im Gepäck befanden sich zwei Bikes für eine Biketour von Sydney nach Brisbane.
Mein Bike ein “Herkelmann Amerigo Tilmann” Tourenrad das andere ein E-bike. Das Tourenrad hat eine Rohloff Speedhub das andere Bike eine Bosch Batterie. Dies ist kein Vergleich aber die Flugrealität.

Um Probleme am Tag des Abflugs zu vermeiden erkundigen wir uns bereits 4 Wochen vor unserem Abflug im Internet
wegen dem Transport der Batterie für das E-bike im Flugzeug. Wir haben viel gehört und gelesen und mit anderen Radfahrern gesprochen was und wie man mit der Batterie umgeht, damit sie mitfliegen darf?
In der Kabine oder im Gepäck oder vielleicht schlicht und einfach am Rahmen lassen. Für uns ist dieses Thema Neuland.
Es scheint alles easy und kein Problem zu sein, wenn da nicht der Vermerk wäre, Batteries für E-bikes müssen als Gefahrengut deklariert werden. Wir recherchieren im Internet weiter und stoßen auf mehr Fragen als Antworten.

Kurzum wir fahren 4 Wochen vor unserem Abflug zum Flughafen und erkundigen uns bei Qantas wie dies nun sei wenn man ein E-bike als Gepäck mitnimmt. Die Dame am Schalter blättert in einem Büchlein, sucht, findet aber nichts. Sie drückt mir das Büchlein in die Hand mit den Worten: Alles über E-bikes steht da drinnen irgendwo!!!!
Wir blättern im Büchlein finden aber nichts über E-bikes und geben ihr das Büchlein zurück. Na, seid ihr fündig geworden?
Nein!!!!! Antworte ich.
Aber es steht irgendwo da drinnen meinte die Dame in ihrer Qantas Uniform. Leider nichts gesehen, sage ich.
Eigentlich wollte ich eine Auskunft von einem Qantas Mitarbeiter erhalten, bezüglich einer E-bike Batterie im Gepäck.
Im Informationsbüchlein blättern kann ich auch zuhause meinte ich.
Die Frau ruft einen Kollegen: Kannst du dich mal um diese Sache kümmern?
Gesagt getan, unter dem Schalter befindet sich ein grünes Büchlein und darin sucht der Kollege eine Telefonnummer. Er findet die Nummer, ruft an und erkundigt sich wegen E-bike Batterien. Achselzuckend meint er, es steht alles in der Brochure.
Die haben wir bereits durchgeblättert aber nichts gefunden, antworte ich. Ach ja da drüben ist mein Kollege mit dem weißen Hemd der arbeitet in der Frachtabteilung, der weiß sicherlich was zu tun ist!
Wir gehen auf ihn zu und erzählen ihm unser Problem.
Ich weiß es nicht, antwortet der Kollege im weißen Hemd, aber die Frachtabteilung weiß sicherlich wie`s geht. Die sind ein Gebäude weiter!!! Mein Hals wird langsam dicker doch es nützt alles nichts da muss ich durch. Ich fahre mit dem Bike zum anderen Gebäude und beginne mit neuem Elan und Eifer die Geschichte von einer E-bike Batterie zu erzählen. Der Kollege scheint sich in die Rohloff Nabe verknallt zu haben. Seine Augen liebäugeln mit der Rohloff. Ist dies das Ding meinte er?
Nein antworte ich dies ist ein Rohloff Speedhub. Ein Getriebe, weißt du, damit schaltet man die Gänge…hat aber mit der Batterie gar nichts zu tun!
Aber ich mag dieses große, rote, dicke, runde Ding im Hinterrad, meinte der Frachtexperte.
Nachdem ich dem freundlichen Qantas Mitarbeiter mein Problem erklärte, blättert er wieder in der gleichen Broschüre, die schon von 5 Menschen durchblättert wurde. Er blättert und blättert und blättert. Seine Brille auf der Nasenspitze sitzend fällt mir auf, dass er gar kein Interesse hat in der Broschüre die Antwort für mein Problem zu finden. Seine Augen sehen über die Brille hinweg. Sein Blick hat die Rohloff im Visier. Sieht ja toll aus meinte er. Langsam blättert er im Büchlein weiter und findet tatsächlich keine Antwort zu meiner Frage.
Mein Hals wird zwischenzeitlich immer dicker und ich muss mich zurückhalten um nicht einen Gorillaschrei loszulassen. Ganz cool und ruhig nimmt mein Gegenüber ein Telefon in die Hand und ruft einen weiteren Experten an.
Augenrollend und mit gerunzelten Falten auf seinem Haupt hört er lange zu, dann verabschiedet er sich von einem weiteren Kollegen am Telefon, legt auf und sagt. Die Batterie muss als Gefahrengut verpackt werden und kann mit einem unserer Frachtflugzeuge nach Sydney transportiert werden. Kostenpunkt ca. AUD 150,00 bis 200,00.-
Aha…und dann?
Ich hatte meinen Satz noch nicht beendet als er mir ins Wort fiel.
Ach ja die Batterie muss vom Hersteller ein Zertifikat haben damit wir wissen wie diese Batterie zusammengestellt ist und welche Chemiekalien in der Batterie drinnen sind. Hier ist eine Telefonnummer und dieser Kollege kümmert sich um die Gafahrengüter bei Qantas und Jetstar. Kannste gleich von hier anrufen meinte er.
Anrufen kann ich auch von zuhause. Besten Dank!
Mit einem Lächeln und einem Hals der sich so dick wie ein Elefantenbein anfühlt gehe ich zu meinem Bike, setz mich drauf und fahre los.

Der freundliche Kollege machte die Tür auf und rief mir nach: Ich mag das dicke rote Ding im Hinterrad… das Hasselhoff Getriebe! Ich drehe mich während dem Fahren um und rief zurück: Nein nicht David Hasselhoff!!!! Rohloff !!!!!!!
Zuhause angekommen rufe ich bei der Fa. Bosch in Sydney an und verlange den sogenannten MDSS (Material Data Safety Sheet.) Diesen bekomme ich per email zugesandt. Natürlich wird der MDSS sofort an den Kollegen der sich um die Gefahrengüter bei Qantas einsetzt weitergeleitet. Ich bekomme sehr schnell und sehr höflich die Mitteilung, dass Qantas und Jetstar keine Boschbatterien für E-bikes weder als Gepäck noch als Gefahrengut transportiert. Punkt.
Na ja, wenigstens eine klare Aussage.
Die Suche nach einer Lösung für die E-bike Batterie geht also weiter. Nächster Stopp Australia Post. Dort teilt man mir kurz und bündig mit, leider nicht möglich.
Der Kreis schließt sich als wir die Batterie beim Fahrradhändler abgeben, denn er kann die Batterie mit einem Courierdienst an unser Hotel in Sydney senden. Anruf im Hotel genügt und es wird mir versichert dass die Batterie akzeptiert wird. Jetzt hoffen wir, dass die Batterie auch tatsächlich vor uns im Hotel ankommt und in unserem Zimmer auf dem Tisch liegt und uns zuruft:
Ich glaub es nicht, ihr seid auch schon da!!!!!

In der Zwischenzeit sind wir in Sydney angekommen und 1000 Km bis an die Gold Coast in Queensland gefahren. Die Batterie war bei unserer Ankunft tatsächlich in Sydney im Hotel und wir konnten die Tour wie geplant durchführen. Bei unserem Rückflug von der Gold Coast nach Cairns haben wir bei TNT angerufen die Batterie im Motel an der Gold Coast mit dem gleichen Karton, Verpackung und dem MDSS hinterlassen. Alles kein Problem. Der TNT Courierdienst hat die Batterie im Motel abgeholt und nach Cairns gesand. Die Batterie ist in der Zwischenzeit bei uns in Gordonvale angekommen und ist derzeit in Renates Citybike eingebaut und leistet den gleichen Dienst wie zuvor. Wir sind um einiges schlauer geworden, denn wir wissen jetzt wie es geht eine E-Bike Batterie zu versenden. Wie heißt es so schön.
Wenn man etwas braucht und will, kann man immer wieder etwas lernen. Es war eine sinnvolle Lektüre, denn wir werden noch öfters verreisen. Die Tour hat uns viel Freude bereitet.

Ende!